Wunderland Nordstadt

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Der Fastenmonat Ramadan ist vorbei. Nach einem Monat spiritueller und materieller Enthaltsamkeit wird unter Muslimen gefeiert. Genau wie die Fastenbrechen im Ramadan entstand auch hier das Bedürfnis, es mit anderen Menschen zu teilen. Der Verein Syrische Kultur und Integration e.V. veranstaltet dieses Fest bereits seit vier Jahren und nachdem man sich mit mehrern Vereinen (u.a. Viertelimpuls e.V., Chaldäische Liga in Deutschland e.V.) aus dem Vielrespektzentrum kennengelernt hat, ist man das nun gemeinsam angegangen. Das Fest hat wie die Jahre zuvor in der Kreuzeskirche und auf dem Weberplatz in Essen stattgefunden.

Vielleicht sollte man eine kleine Einordnung des Festes in diesem Viertel in Essen machen, für diejenigen, die es nicht wissen: das Essener Nordviertel ist leider durch negative Schlagzeilen wie Clankriminalität aufgefallen und hat einen schlechten Ruf im restlichen Essen. Wenn man die Schlagzeilen liest, bekommt man den Eindruck, als ob jeder dort angespannt ist und um sein Leben fürchten muss.

Warum also ausgerechnet „Wunderland Nordstadt“?

Also: jede Aktion, wo Menschen friedlich zusammenkommen wäre vielleicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber ein Anfang, der es Wert ist. Dieses Fest stellt regelrecht die Vorurteile gegen das Nordviertel auf den Kopf und macht es -wenn auch nur zum kleinen Teil- aus einem Problemviertel ein Wunderland.

Kinder, die gespannt den Zauberer beobachten

Drei Punkte sprechen für dieses Fest:

  1. Lokalität
    Dieses Fest war nicht in irgendeinem Festsaal im Gewerbegebiet, abgeschottet von der Öffentlichkeit. Es war zur Hälfte unter freiem Himmel; die andere Hälfte fand in der Kirche statt. Mitten im Nordviertel. Jeder kann kommen.
  2. Interkulturalität
    Das Wunderland Nordviertel Fest war durch die Angebote durch und durch interkulturell. Die Angebote waren auf arabisch, deutsch und türkisch.
  3. Angebote
    Neben einer Zaubervorführung, einer Animation für Kinder gab es auch Schattentheater. Muss ich das vielfältige Essensangebot erwähnen?

Trotz des Stresses der Organisation habe ich die Veranstaltung genossen. Hier trifft sich nicht nur der Okzident mit dem Orient, sondern auch eine innermuslimische Begegnung passiert hier.

Es war einfach ein Genuss zu sehen, wie Kinder sich freuen und amüsieren. Eine zeitlang habe ich tatsächlich die Außenwelt mit ihren Problemen vergessen. Mir ist ein Satz eingefallen, den ich mal zum Ramadanfest gehört habe: Diese drei Tage nach dem Ramadan, sind wie Tage, die aus dem Paradies „gestohlen“ wurden. Alle sind plötzlich gleich und alle sind glücklich, bevor sie der Alltag wieder einholt. Und genauso habe ich mich auf diesem Fest gefühlt. Wie in einem Wunderland.

Ein weiblicher Matador tanzt mit dem Stier (wozu auch kämpfen?)

Derwisch Tänzer gehen auf eine spirituelle Reise – fast hypnotisierend!

PS: 2020 wird es wieder ein Fest geben. Wer noch nicht da war, sollte unbedingt vorbeikommen. Ich für meinen Teil werde ab jetzt versuchen, jedes Jahr da zu sein.

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Über den Autor

Serdar Ablak

Chefblogger und Gründer. Ich bin gebürtiger Oberhausener, lebe mittlerweile am Niederrhein, arbeite aber noch in Mülheim. Der Weg ist zwar manchmal anstrengend, aber das Ruhrgebiet ist es Wert!

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