Schreiben ist mehr als nur „Schreiben“!

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Das Schreiben mit dem Stift ist eine sehr alte und bekannte Fähigkeit zu kommunizieren. Warum es immer noch aktuell und genauso wichtig ist will ich kurz umreissen.

Das was mich damals als Schüler am meisten genervt hat, war das Abschreiben von der Tafel. Unsere Lehrer haben immer beteuert wie wichtig das Abschreiben bzw. das Schreiben für uns ist. Natürlich habe ich damals nicht verstanden warum. Heutzutage höre ich wie genervt Lehrer sind, dass Schüler die Tafel mit dem Smartphone abfotografieren anstatt es abzuschreiben. Wie wäre es denn dann mit abtippen? Dann strengt man sich doch zumindest auch an, die Wörter an der Tafel zu erkennen und sie zu übertragen. Oder?

Tippen ist vielleicht viel effektiver, aber komplett auf das Handschreiben zu verzichten könnte Nachteile haben. Eine der kognitiven Fähigkeiten, die durch das Schreiben trainiert wird, ist das Einprägen des geschriebenen Textes. Aber jetzt weg von der Schule: Wie viele Menschen haben Probleme, kreativ zu denken? Nicht zuletzt wegen der Tatsache, dass man häufiger am PC sitzt und dort -ähnlich wie beim Fernseher- einer Reizüberflutung ausgesetzt ist und das Gehirn mehr Zeit damit verbringt die Eindrücke zu verarbeiten, als sich auf etwas zu konzentrieren. Ich glaube, die heutige Jugend hat es viel schwieriger vollständige -geschweige denn niveauvolle- Sätze zu formulieren als früher. Dabei scheint die Lösung der „Kreativitätsblockade“ so leicht.

Mit einem Stift und einen Notizblock die Gedanken auszuformulieren könnte den Prozess des Denkens, die Artikulation und die Lernfähigkeit fördern. Es ist nicht nur leichter sich zu konzentrieren, wenn man einfach nur einen Stift und einen Notizblock vor sich hat, sondern man würde auch vom eigentlichen Akt des Handschreibens Vorteile schöpfen. Ein Artikel im Wall Street Journal zeigt auf, wie wichtig die Handschrift für die Entwicklung von Kindern ist und dass es die Erwachsenen anspricht, die nach Möglichkeiten suchen, ihren Geist zu schärfen. Der Punkt ist die Tatsache, dass das Ausschreiben eines Buchstabens etwas mehr Aktivität im menschlichen Gehirn verursacht als das bloße Drücken von Tasten. Dieses „mehr“ an Aktivität hält das Gehirn fit.

Das Gehirn eines Kindes, welches die Handschrift praktiziert, weist erhöhte Aktiviät in einem Schlüsselbereich des Gehirns auf (blau markiert), welches ein Indiz dafür ist, dass Lernen stattgefunden hat.

Das Gehirn eines Kindes, welches die Handschrift praktiziert, weist erhöhte Aktiviät in einem Schlüsselbereich des Gehirns auf (blau markiert), welches ein Indiz dafür ist, dass Lernen stattgefunden hat.

Ein kurzer Ausflug in die Biologie: das Schreiben als Aktivität stimuliert das sog. retikuläre aktive System (kurz RAS) im Gehirn. Das RAS spielt eine sehr wichtige Rolle, denn es bereitet das Grosshirn über den Thalamus auf eintreffende Nachrichten vor und trifft gleichzeitig die Vorauswahl aus den Umgebungsinformationen. Dies führt dazu, dass das Geschriebene besser bzw. bevorzugt aufgenommen wird.

Erwachsene, die Symbole wie z.B. chinesische Buchstaben lernen, so Wissenschaftler, könnten es beschleunigen indem sie die Schriftzeichen per Hand schreiben. Einige Ärzte behaupten, dass das Schreiben mit dem Stift eine gute kognitive Übung für Menschen ist, die im fortgeschritteneren Alter sind und die ihren Geist aktiv halten wollen. Einige Studien sprechen für das erlernen und weitergeben dieser Fähigkeit, vor allem wo es durch die elektronische Kommunikation allmählich ersetzt wird.

Wir sehen also, dass das Schreiben trotz fortgeschrittener Technologie nicht ersetzt werden sollte. Wie es denn dann mit Tablets aussieht, wo man mit einem Stift schreiben kann sei Mal dahingestellt. Aber mal ehrlich: mir macht es mehr Spass, wenn ich etwas durchstreichen muss, wenn ich mich verschrieben habe und nicht auf das Radiergummisymbol auf dem Tablet anklicken muss um zu korrigieren. Es ist eine Art von Gefühlsausdruck.

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Über den Autor

Serdar Ablak

Chefblogger und Gründer. Gebürtiger Oberhausener (darauf bin ich besonders stolz), lebe mittlerweile in Köln, arbeite aber immer noch in Duisburg. Der Weg ist zwar manchmal anstrengend, aber das Ruhrgebiet ist es Wert!