Ramadan im Ruhrgebiet

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Der Ramadan bietet sich -genauso wie Weihnachten- als hervorragende Gelegenheit an, um neue Menschen und deren Kultur kennenzulernen. Um diesen Prozess zu fördern wurde dieser Artikel geschrieben. Der Fastenmonat Ramadan dürfte mittlerweile jeden bekannt sein: es ist der Monat, wo der Koran herabgesandt wurde und gleichzeitig auch der Monat, wo fast alle Muslime fasten; vom Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang wird weder gegessen noch getrunken. Erst am abend wird dann in geselliger Runde meist mit Freunden oder Bekannten das Fasten gebrochen. Und da nach dem arabischen Mondkalender gefastet wird, wandert der Monat Ramadan jedes Jahr um 10 Tage vor. Die Details sollten mehr oder minder bekannt sein. Doch wie wird der Ramadan im Ruhrgebiet gelebt? In der Regel muss man sagen, dass das Fastenbrechen selten alleine gemacht wird. Das bedeutet, dass man sich trifft und gemeinsam das Fasten bricht. Es gibt aber mittlerweile viele Vereine (z.B. Moscheevereine), die ein Fastenbrechen anbieten. Auch wenn die Menschen überwiegend muslimischen Hintergrund haben, freut man sich, wenn man das Brot mit Menschen anderen Glaubens bricht. Es gab zur osmanischen Zeit eine Tradition, wo man jemanden zum Iftar(also das Fastenbrechen) eingeladen hat, weil es nicht üblich war, alleine zu speisen und es im Islam als eine gute Tat zählt, jemanden zum Iftar einzuladen. Danach wurde dieser Person sogar ein Geschenk gemacht, weil man sich auf diese Art dankbar zeigen wollte. Dies nannte man dann soviel wie „Zahnmiete“. Jemanden zum Essen einladen und dann zu beschenken, weil er zum Essen gekommen ist kennt man heutzutage kaum mehr. Doch zurück ins Ruhrgebiet. Auch wenn man nicht gerade beschenkt wird, gibt es wie gesagt Vereine, die -meist gesponsert von den Mitgliedern- Iftar-Veranstaltungen anbieten. Es gibt Vereine, die entweder nur einige Tage ein Iftar anbieten und es gibt größere Vereine, die die Möglichkeiten haben, das den ganzen Ramadan durch anzubieten. Sehen wir uns einige im Ruhrgebiet an:

Duisburg: DITIB-Merkez Moschee

duisburg

Da es zum Iftar sehr voll wird, wäre es ratsam vorher einen Tisch zu reservieren. Da die Moschee das Fastenbrechen über den ganzen Monat veranstaltet, sind die Iftargerichte nicht kostenlos. Aber für unter 10€ bekommt man ein komplettes drei-Gänge Menü. Nach dem Fastenbrechen kommt das Abendgebet für Muslime, welches relativ schnell geht. Diejenigen, die nicht beten oder anderen Glaubens sind, verweilen schonmal auf dem Hof. Dort dürfte wohl während des gesamten Ramadanmonats das zweitgrößte Ramadanfest stattfinden. Hier wird nicht nur in den Zelten das Fasten gebrochen, sondern es gibt noch unzählige verschiedene Verkaufsstände, die jede Menge Snacks und Süssigkeiten zum Verkauf anbieten. Es gibt dann noch ein großes Zelt mit Tischen und Sitzbänken, wo man mit Freunden zusammensitzen und türkischen Tee oder Kaffee trinken kann. Hier sieht man schon hier und da, dass einige Muslime ihre Nicht-muslimischen Nachbarn mitgenommen haben, um ihnen das Fastenbrechen näherzubringen. Viele kommen auch erst nach dem Fastenbrechen um mit Freunden und Bekannten einen Tee zu trinken und gemeinsam zu plaudern.

Dortmund: Festiramazan

festiramazan

Festiramazan findet nur zu Ramadan statt. Das Festiramazan hatte in den letzten Jahren auf einem großen Gelände stattgefunden, welches an der Ardeystraße lag. Dieses Jahr soll es in den Westfalenhallen stattfinden. Auch hier finden sich viele Stände, wo man kullinarische Köstlichkeiten probieren kann. Hier gibt es aber nicht nur Essens- und Getränkestände, sondern auch eine große Bühne, wo die Wartezeit durch verschiedene Shows verkürzt werden soll: das fängt an bei traditionellen Schattentheater und endet bei live-Musikbands. Dabei gibt es fast jeden Tag eine andere Veranstaltung auf der Bühne. Man braucht nicht lange zu suchen, und schon sieht man auch hier Bänke mit Tischen, wo zusammengesessen und gegessen wird. Ein beliebter Ort, wenn man Mal nach etwas Abwechslung sucht, und keine Zeit oder Lust zum kochen hat.

Diverse Vereine

iftarSeien es Elternvereine oder Bildungs- und Kulturvereine: jeder Verein mit muslimischen Bürgern im Vorstand gibt seinen Mitgliedern und Freunden mindestens einmal ein Iftar im Ramadan. Das Essen ist kostenlos, genauso wie der Tee und die Süßigkeiten danach. Dabei wird Gastfreundschaft groß geschrieben: wenn man da als unerwarteter Gast auftaucht wird man nicht schief angesehen, im Gegenteil. „Das einzige was ich doch tuen muss, ist einen zusätzlichen Teller auf den Tisch zu bringen“ denkt man sich. Ob das Essen reicht oder nicht, darüber macht man sich keine Gedanken. Es gibt auch keinen bekannten Fall, wo das Essen nicht gereicht hat.

Familien und Freunde

Bei Familien und Freunden ist es natürlich am schönsten. Man unterhält sich was man tagsüber gemacht hat. Nach dem Essen kommt normalerweise eine Süßspeise mit Tee, aber nicht selten kommt es vor, dass man nach dem Fastenbrechen gemeinsam erst zum Tarawih-Gebet zur Moschee geht. Den Tee trinkt man dann nach dem Moscheebesuch. Meistens wird beim Tee trinken dann darüber gesprochen, wie schnell doch der Fastenmonat vorbeigeht oder wie der Ramadan letztes Jahr war.

Fazit

Ich möchte zwei Aspekte ansprechen:

  1. Im Ramadan sind Gäste gerne gesehen. Ich sage ganz bewusst Gäste. Dabei ist es egal ob christlich, jüdisch, atheistisch oder sonstigen Glaubens. Nichtmuslime sollten sich ruhig auf spontane Einladungen einlassen. Oder ruhig auch Mal fragen, ob sie nicht Mal zu einem Iftar vorbeikommen können. Man beachte dann die leuchtenden Augen, wenn die gefrage oder der gefragte zusagt!
  2. Es gibt erfreulicherweise Vereine, die ganz bewusst öffentliche Werbung für ihre Iftar-Veranstaltungen. Bei solchen Veranstaltungen wird meistens der Dialog zu Nichtmuslimen gesucht. Es gibt leider immer noch Moscheen und Vereine, die sich dieser Gelegenheit des Dialogs nicht bewusst sind und deswegen nur Werbung für die eigene community machen. Vor allem sollten Großveranstaltungen wie Festiramazan und Fastenbrechabende der Merkez-Moschee in Duisburg „mehrheitsgesellschaftsfreundlicher“ werden. Das beginnt mit deutschen Texten auf Flyern und an den Ständen.

Ich veröffentliche diesen Artikel ganz bewusst in einer Zeit, wo der Glauben für Missstände im Mittleren Osten verantwortlich gemacht wird. Ich denke, dass die Menschen (vor allem im Westen, aber vor allem im Ruhrgebiet) mehr denn je auf den Dialog angewiesen sind. Ich hoffe, dieser Artikel leistet einen kleinen Beitrag dazu, Hemmungen und Vorurteile gegenüber anderen Kulturen abzubauen. Und ja, ich gedenke auch zu den nichtmuslimischen Festtagen im Ruhrgebiet einige Worte zu schreiben.

Update 25.06.2015

Gestern habe ich am Iftar-Essen im Landtag NRW teilgenommen. Es waren ebenfalls Vertreter des jüdischen und des christlichen Glaubens anwesend, welches sehr zu begrüßen war. Ich glaube vom Herzen daran, dass dies der richtige Weg ist, um eine starke Gesellschaft zu werden.

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Über den Autor

Serdar Ablak

Chefblogger und Gründer. Gebürtiger Oberhausener (darauf bin ich besonders stolz), lebe mittlerweile in Köln, arbeite aber immer noch in Duisburg. Der Weg ist zwar manchmal anstrengend, aber das Ruhrgebiet ist es Wert!

3 Kommentare

  1. Toller Artikel! Ich erinnere mich dabei an ein türkisches Straßenfest in Duisburg Hamborn, von dem ein Freund und ich in der Zeitung gelesen hatten und welches wir spontan besuchten. Es war toll, alle Leute waren sehr nett, es wurde geredet, gegessen und gelacht. Außerdem schauten wir einen Film (Solino) draußen auf einer Wiese. Die Stimmung war einfach nur Super. Ich kann mir vorstellen dass es beim Fastenbrechen ebenfalls so sein würde, wusste aber nicht dass auch Nicht-Muslime mitmachen dürfen 😉 naja auf der anderen Seite würde ich aber auch niemandem einen Platz an meinem Weihnachtstisch verwehren, insofern finde ich es schön wenn sich die Kulturen und Religionen einander näher kommen, auch wenn in dieser Hinsicht noch viel Dialog nötig sein wird.

  2. Angela

    So banal es auch klingen mag, aber ich glaube wirklich, dass nicht nur Liebe, sondern auch die Bereitschaft Neues kennenzulernen, durch den Magen geht. Zusammen an einem Tisch zu sitzen und gemeinsam zu essen, bringt die Menschen näher und beseitigt so manche Vorurteile. Ein sehr guter Artikel, er hoffentlich vielen Mut macht, solche Chancen wahrzunehmen.

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