(Ein-)Bildung in Essen

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Vor einigen Tagen habe ich an einer Veranstaltung über die Bildungsproblematik in Essen und im Ruhrgebiet teilgenommen, wo unter anderem die extremen Gefälle in puncto Bildungsmöglichkeiten in Essen eine Thematik war. Frau Prof’in. Dr. Nicolle Pfaff – einer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist bildungsbezogene Ungleichheitsforschung – von der Universität Essen Duisburg, stellte in einem gelungenen und übersichtlichen Vortrag die Probleme dar, die man fast in allen Städten Deutschlands hat: Bildung hängt zu sehr vom sozialen Status ab.

Eine neue Erkenntnis ist das nicht. Doch die Politik ignoriert oder berücksichtigt beim Planen nicht die Forschungsergebnisse. Das Problem ist demnach auch ein politisch produziertes Problem.

Seit den 70er Jahren gibt es im Ruhrgebiet einen starken wirtschaftlichen Strukturwandel, welches die Probleme und die sozialen Diskrepanzen zwischen den Bewohnergruppen verstärkt. Bei einem Vergleich der Aspekte, wie den Bevölkerungsrückgang, die Arbeitslosigkeit oder den Bildungsstand macht unsere „Metropolregion Ruhr“, im Gegensatz zum Land NRW, eine sehr schlechte Figur. Städte wie Oberhausen, Mülheim an der Ruhr, Gelsenkirchen, Duisburg und Essen, wo der Anteil der Bevölkerung unter 18 Jahren mit Migrationshintergrund über 40% liegen(laut IT.NRW 2011), sind besonders im Fokus.

Anhand der Stadt Essen wurde verdeutlicht wie dramatisch die Lage ist und in welch einem Maß die Stadt sozial segregiert ist. Ähnlichkeiten sieht man fast in allen Ruhrgebietsstädten.

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Angefangen vom Sprachförderbedarf bis zu den Übergangsquoten aufs Gymnasium oder die Chancen auf eine andere weiterführende Schulform als die Hauptschule, sind die Nordessener fast immer „stark benachteiligt“. Die starken Schwankungen der Zahlen bei Gymnasien und Hauptschulen im Südteil und im Nordteil dienen als weitere Indikatoren für eine bewusste Segregation (Quelle: Bildungsbüro Essen 2011:Bildungsbericht).

Die Statistiken sprechen eigentlich schon Bände über die lokale Bildungspolitik, aber leider wird es gleich noch schlimmer.  Auf den Webseiten der Schulen kann man auch die inhaltlichen Unterschiede sehen. Zwar ist jede Schule an den Lehrplan gebunden, doch sind die Ausflugsorte, Klassenfahrten oder das AG-Angebot zum Beispiel deutlich unterschiedlicher. Die eine Schule macht Klassenfahrten oder Ausflüge nach England, wobei sich die andere mit Nachbarstädten begnügen muss. Selbst die Lehrkräfte, die in den Problemzonen unterrichten, werten die Stadtteile oder sogar die familiäre Situation von Schülern ab.

Meine Meinung: Die Bildungspolitik ist nicht nur von dem sozialen Status, sondern auch sehr stark vom finanziellen Status der Familien abhängig. Ich muss keinem erzählen, was für Gegenden Südessen oder Nordessen sind. Schlussfolgerung daraus ist: Bildung im Ruhrgebiet und vorallem in Essen ist wohnungsmarktpolitisch strukturiert und wird sich auch die nächsten Jahre nicht so leicht ändern. Traurige Statistiken wie diese(Bildungsbericht) – wo 42,4 % der „Nichtdeutschen“ einen Abschluss von der Hauptschule nach 10 oder niedriger haben, finde ich als Beweis genügend. Da stellt sich ja, gerade jetzt zur Wahlzeit, die Frage warum die Lokalmedien nicht darüber berichten wollen oder die Politiker nicht mal zur Rede gestellt werden.

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Über den Autor

Eyüp Alikilic

Geboren,aufgewachsen und leben tut er in Mülheim/Ruhr. Studiert momentan Informatik und interessiert sich für (soziale) Medien, Musik und natürlich Technologie. Versucht immer aktuell in Sachen IT-Sicherheit zu bleiben.

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