„Da kann man nur noch den Kopf schütteln“

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Wie Hochzeitsgesellschaften ein Denkmal belagern

Regelmäßig wandern pompös gekleidete Hochzeitsgesellschaften im Wittringer Schloßpark in Gladbeck umher, um gemeinsam mit ihren Fotografen den perfekten Spot für ihre schönsten Andenken zu finden. Da muss alles stimmen, vom Lichtverhältnis bis hin zum Hintergrundmotiv. Das kalte Wetter schreckt die Teilnehmer auch nicht unbedingt ab und sie zeigen durchaus einen großen Ehrgeiz um die gewünschten Motive einzufangen.

So kommt man an einem Freitag oder Samstag fast nicht umhin, als Spaziergänger einer dieser Fotogruppen zu begegnen, zumal das Shooting meist kurz vor der Fahrt zum Hochzeitssaal stattfindet. Besonders beliebt scheint hier für die Fotomotive das Denkmal aus dem ersten Weltkrieg zu sein, das an die gefallenen Soldaten erinnert. Ihre Namen sind in große Steintafeln eingearbeitet, die um eine Statue eines Gefallenen herum mit Torbögen und Treppenstufen angeordnet sind. Und genau hier positionieren sich die Hochzeitspaare für ihre Shootings. Nicht selten kommt es vor, dass Besucher des Denkmals sich gar nicht mehr hinein trauen, oder dass sie, während sie noch auf den Steintafeln nach irgendwelchen Namen suchen, von den Hochzeitsgesellschaften quasi verdrängt werden. „Da kann man nur noch den Kopf schütteln“, werden sich manche denken, oder tun dies bereits. Schlimm ist, dass nach dem Shooting auch einmal Konfettiherzen liegenblieben sind und scheinbar niemand sich dazu angehalten fühlte, diese nach getaner Arbeit wegzukehren.

Das Shooting soll den Liebenden gegönnt sein. Es ist verständlich, wenn sie ansehnliche Erinnerungen festhalten möchten. Jedoch stellt sich die Frage, ob das Fotoshooting im Denkmal selbst geschehen muss und ob sie überhaupt darüber reflektieren, zu welchem Zweck das Denkmal erbaut wurde. Man könnte es als Pietätlosigkeit bezeichnen, gerade am Denkmal für die Gefallenen eines schrecklichen Krieges bedenkenlos ein solches Shooting durchzuführen. Liebe Hochzeitsgesellschaften! Möchtet ihr in Zukunft nicht einen anderen Ort wählen? Es gibt noch genug schöne Spots in Wittringen, an denen ihr fotografieren könnt, ohne das Andenken an Gefallene mit Konfettiherzchen zu entwürdigen oder die Besucher dort zu stören.

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Aufgewachsen bin ich im schönen Gelsenkirchen und lebe heute noch dort. Neben meiner Arbeit als Deutsch- und Englischlehrer an einer Gesamtschule im Ruhrgebiet und dem Promotionsstudium im Fach Pädagogik an der Universität Duisburg-Essen bin ich bei Ruhrblogger aktiv.

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