Mehr Kindergärten als Bäckereien

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Gerade, wenn man neu an einem Ort ist, hält man die Augen auf, schaut sich um und liest neugierig die Schilder.
Liest Schilder?
Eine Besonderheit, die ich so in der Stadt noch nicht entdeckt habe. Hier auf dem Land hat fast jedes Geschäft, jede Einrichtung seinen eigenen Wegweiser.
Meistens führt eine “große Straße“ durch die Orte, von der kleine Straßen und Gassen abgehen. An den Einfahrten zu diesen kleinen Straßen befinden sich Wegweiser mit den Namen der Geschäfte und Einrichtungen. Friseur Haarpunzel; Gemeindesaal; Taverna; Kindertagesstätte Bimsala Bim.
Beim Lesen der Schilder, aber auch beim in-die-Gegend-schauen fiel mir dann auf, dass es ein Ungleichgewicht zwischen Bäckereien und Kindertagesstätten gibt.

Es ist kein Scherz und keine Übertreibung, vielleicht eine falsche Zählung, weil ich noch nicht alle Bäckereien entdeckt habe, das will ich nicht bestreiten. Aber so wie es meine Zählung im Moment ergibt, steht es drei zu zwei. Drei Kindergärten, zwei Bäckereien. Drei Kindergärten, eine Krabbelgruppe in Hadamar und Niederhadamar. Insgesamt hat die Stadt Hadamar mit ihren Stadtbezirken 8 Einrichtungen für die Betreuung von Kindern und das bei einer Einwohnerzahl von 12.259. Jede Stadt, jeder Stadtteil, jedes noch so kleine Dorf, das wir bis jetzt gesehen haben, hat mindestens einen Kindergarten. Demnach wage ich zu behaupten, dass es hier keinen Kindermangel gibt. Außer natürlich in jedem Kindergarten sind nur drei Kinder.
Der Stadtbezirk Dortmund Innenstadt-West hat 11 Kinderbetreuungsstätten und 51.522 Einwohner. Gute, ich muss einräumen, der Westen ist bei Studenten sehr beliebt, soll heißen, Menschen mit und Menschen ohne Kinder halten sich wahrscheinlich nicht ganz die Waage.
Nehmen wir dann als Vergleich Scharnhorst. Ein Stadtbezirk von Dortmund, der mehr Menschen mit Kindern beherbergt. Auf 44.208 Einwohner kommen 12 Einrichtungen für Kinder.
Man muss kein Experte für Statistik sein, um zu erkennen, wo die Leute wohnen, die verzweifelt nach mehr Kinderbetreuung schreien. Wie kann das aber seien? Wieso hat eine Stadt mit gerade mal etwas über 12.000 Einwohnern genug Geld für die Verwahrung von Kindern, Stadtbezirke, die 4x so groß sind, aber nicht? Die Angestellten in den Einrichtungen müssen auf dem Land ebenso bezahlt werden, wie in der Stadt.
Es gibt noch einen kinderbezogenen Unterschied zwischen hier und dem Ruhrgebiet.
Spielplätze.
Selbst der kleinste Spielplatz ist hier in einem rostfreien Zustand. Nichts bröckelt, splittert oder ist morsch. Die Spielplätze hier befinden sich in einem unglaublich guten Zustand. Die Spielplätze, die ich von Dortmund her kenne, sind – sagen wir, sie sind eher Abenteuerplätze.
Die Frage, die sich mir aufdrängt, ist; Warum hat das Land im Bereich Kinder scheinbar mehr Geld zur Verfügung als die Stadt?
Kann die Stadt möglicherweise vom Land in dem Punkt lernen?

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Über den Autor

Angela Gäde

Schriftstellerin, Verlegerin, Bloggerin, geboren in Dortmund, aufgewachsen im Ruhrgebiet. In ihrem Freundes- und Bekanntenkreis spiegelt sich die kulturelle Vielfalt dieser besonderen Region. Ebenso schleicht sich der Ruhrpott und seine Menschen, mit ihrem ganz eigenen Charme, immer mal in ihre Bücher. Durch einen Umzug aufs Land (und direkt in ein anderes Bundesland) hat sie nun die Chance, auch ein Blick von außerhalb auf das facettenreiche Ruhrgebiet zu werfen.

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