Im Interview mit Miskin

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Ruhrblogger: Euer neues Lied „Ob Nah, Ob Fern“ kam letzte Woche zum ersten Mal im Radio. Das Lied ist auch ein wenig melancholisch, wie ich finde. Wie kamt ihr auf den Song?
Berkay: Das Lied heißt „Ob Nah, Ob Fern“ und das Thema ist sehr aktuell. Wir versuchen auch immer aktuelle Themen in unserer Musik zu behandeln. Wir saßen eines Tages zusammen und haben musiziert. Plötzlich mussten wir an das Foto von dem Kind denken, das tot am Strand lag. Und dann sind diese Worte entstanden. In diesem Song geht es darum, dass man auf der Suche nach Frieden und nach Ruhe ist, dass man aber meist einen sehr schwierigen und langen Weg dazu gehen muss.

Ruhrblogger: Eure Fans kennen euch schon seit längerem über Facebook und Youtube, aber für viele Leser ist der Name Miskin erstmal neu. Was bedeutet der Name?
Salih: Das Wort Miskin kommt aus dem Arabischen und bedeutet soviel wie „der Bedürftige“. Man könnte es auch mit „der Penner“ übersetzen.

Ruhrblogger: Bei euch hört man überwiegend Gitarren und Schlagzeug. Darf man euch einem bestimmten Genre zuordnen?
Berkay: Ja natürlich. Wir sind eine deutsch-türkische Rock-Pop-Band mit einigen Blues-Einflüssen. Wichtig ist hierbei zu betonen, dass wir keine Coverband sind. Wir sind immer bestrebt, unsere eigenen Songs zu komponieren.

Ruhrblogger: Ist es eure erste Band? An welchen Projekten habt ihr bereits mitgearbeitet?
Salih: Berkay, unser Sänger kommt eigentlich aus der Popszene, singt und begleitet sich selber auf der Gitarre. Deniz ist mehr unser Rocker, der schon in mehreren englischsprachigen Rockbands mitgespielt hat. Dies kam auch durch seine vielen Auslandsaufenthalte zustande. Und ich stehe eher auf Blues, auf die Musik der 50er, 60er und 70er Jahre, habe dort auch in mehreren Bands mitgespielt.

Ruhrblogger: Was möchtet ihr mit eurer Musik ausdrücken?
Berkay: Also, wir von Miskin behandeln viele verschiedene Themen und versuchen uns in die Rolle der Jugendlichen hineinzuversetzen. Mit dieser Musik möchten wir Menschen mit unterschiedlichen ethnischen und kulturellen Hintergründen zusammenbringen. Und wir möchten so ganz klar den Zusammenhalt hervorheben; wir wollen gemeinsam stark sein und mit unserer Musik die Menschen inspirieren.
Deniz: Also, Miskin hat keine kommerziellen Ziele, sondern es geht primär um die Ansprache beider Kulturen. Zudem ist es ein ganz wichtiger Aspekt, dass wir mit unserer Musik Vorurteile abbauen möchten.

Ruhrblogger: Ihr habt alle türkische Wurzeln. Wie hat sich eurer Auffassung nach die Entwicklung vom Gastarbeit zum Musiker vollzogen?
Salih: Rund 50 Jahre ist es jetzt her, dass unsere Großeltern nach Deutschland gekommen sind, um zu arbeiten. Was sie erlebt haben mit der neuen Kultur, mit den neuen Menschen, ist etwas gänzlich Neues gewesen. Tatsächlich haben diese Menschen auch Sehnsucht nach der eigenen Kultur und nach der Heimat gehabt. Wir in der dritten Generation picken für uns alle positiven Bestandteile beider Kulturen heraus und verarbeiten diese. Unser Motto ist dann auch „Bei Gemeinsamkeiten kooperieren und bei Unterschieden tolerieren.“

Ruhrblogger: Ihr drei seid alle Studenten und macht regelmäßig eure Musik. Ist Miskin für euch ein Hobby oder eine Leidenschaft?
Deniz: Im Prinzip ist es beides. Es ist eine Leidenschaft, weil jeder von uns die Musik mag und genießt. Zum anderen ist es ein Hobby; wir alle sind hauptsächlich Studenten.
Berkay: Musik ist natürlich ein sehr wichtiges Mittel, um unter anderem auch Stress abzubauen. Wir treffen uns wöchentlich, arbeiten an unseren Songs und versuchen uns von Woche zu Woche zu verbessern, und kommen so auch vom Stress weg, den wir in der Uni und im Alltag haben.

Ruhrblogger: Wann und wo tretet ihr demnächst auf?
Deniz: Ihr könnt auf Facebook schauen. Dort werden regelmäßig die Veranstaltungen geteilt. Und uns würde es auch freuen, wenn ihr uns ein Like gebt – natürlich nur, wenn euch die Musik gefällt. (Alle lachen)

Ruhrblogger: Wie bewertet ihr die Musikszene in Essen? Welche Möglichkeiten und Grenzen gibt es für junge Musiker?
Deniz: Es gibt natürlich sehr viele Möglichkeiten, um Musik zu machen, sei es im Sinne von Proberäumen oder auch Auftrittsmöglichkeiten. Trotz allem finde ich, dass insbesondere Jugendliche damit Probleme haben könnten zu musizieren. Der Grund ist, dass sie oft kein eigenes Einkommen haben und gerade die Proberäume nicht unbedingt sehr günstig sind. Und man findet ehrlich gesagt auch nicht so viele Proberäume, weil sie schon meistens ausgebucht sind.
Berkay: Es ist wirklich nicht einfach, aber man sollte nicht vergessen, dass einem immer Steine in den Weg gelegt werden. Man sollte immer an sich glauben, man sollte an die Musik glauben, die man betreibt, und dann wird das auch funktionieren.

Miskin auf Facebook: facebook.com/miskinofficial

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Über den Autor

Volkan Demirel

Aufgewachsen bin ich im schönen Gelsenkirchen und lebe heute noch dort. Neben meiner Arbeit als Deutsch- und Englischlehrer an einer Gesamtschule im Ruhrgebiet und dem Promotionsstudium im Fach Pädagogik an der Universität Duisburg-Essen bin ich bei Ruhrblogger aktiv.

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