Ermutigende Worte in einer kleinen Zeitung

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Nachdem die Medien die Moslems mal wieder unter Generalverdacht gestellt haben (mit ein paar versöhnlichen Artikeln zwischendurch zur Auflockerung), habe ich in unserer Regionalzeitung einen ermutigenden, offenen und hetzfreien Artikel gelesen, der mich zum Lächeln gebracht hat.

In Limburg war in einer Moschee Tag der offenen Tür und dazu wurden alle herzlich eingeladen. Das ist die Kernaussage des Artikels, doch er beginnt mit den Terroranschlägen der IS und dem Misstrauen, welches nun pauschal allen Moslems entgegengebracht wird. Nach der Darlegung dieser Fakten (leider sind es Fakten), wird in dem Artikel das Bedauern zum Ausdruck gebracht, dass dieses Misstrauen einen offenen Dialog und Einblicke in eine andere Religion verhindert.

Was mir so gut an dem Artikel gefällt, ist, dass er unvoreingenommen wirkt.
Es gibt den Tag der offenen Tür, durch Misstrauen werden nur wenige Besucher erwartet, was wiederum verhindert, Vorurteile abzubauen.
Fakten!
Niemand wird aufgefordert, sich von etwas zu distanzieren, was er nicht getan hat. Niemand muss noch einmal zusätzlich einen Kommentar zum Terror abgeben, es geht nur um den Tag der offenen Tür.

Was passiert dadurch?
Man liest den Artikel und denkt sich; das klingt interessant, da könnte man mal hingehen.
Es findet keine negative Beeinflussung statt, deswegen kann man viel gelassener reagieren.
Ohne Vorurteile lässt es sich ruhiger und vernünftiger reagieren. Somit wären wir bei meinen eigenen Vorurteilen.

Über meinen letzten Artikel wurde auf Facebook heftig diskutiert, obwohl es da eigentlich  nicht viel zu diskutieren gab. Es ging um die Aufteilung von Dortmund in Nord und Süd. Genauer gesagt, die Aufteilung der Innenstadt. Ich sagte, hier auf dem Land sei mir aufgefallen, dass z. B. das Klientel in den Geschäften viel gemischter sei als in Dortmund. Jemand konterte bei der Diskussion mit dem Argument, dass doch gerade auf dem Land Intoleranz herrschen würde (sinngemäß wiedergegeben).
Entspricht das den Tatsachen? Dazu kann ich nichts sagen, dafür kenne ich hier zu wenig Leute.
Es entspricht allerdings den Tatsachen, dass ich dieses „Vorurteil“ verinnerlicht habe. Auf dem Land sind die Leute nicht so offen und tolerant, wie in der Stadt.
Aufgefallen ist mir das bei dem oben erwähnten Artikel über den Tag der offenen Tür. Ich war erstaunt über den Zeitungsartikel.
Warum? Weil es auch anders geht?
Ja, aber vor allem, weil ich damit nicht in einer Zeitung vom Land gerechnet hätte.

Welches Bild wird vom Landleben gezeigt?
Abgründe hinter der Idylle!
Homosexuelle werden mit Steinen beworfen, Menschen mit anderer Hautfarbe können nicht alleine auf die Straße, Menschen werden ausgegrenzt, sobald sie anders sind.
Da rechnet man doch nicht wirklich mit einem Artikel, der zu einem Tag der offenen Tür in eine Moschee einlädt.

Vorurteile setzen sich still und leise in unseren Gedanken fest. Meistens merken wir es gar nicht und halten uns für viel offener und toleranter als wir in Wirklichkeit sind. Seine Augen und Ohren für die eigenen Handlungen, Gedanken und Äußerungen offenhalten, hilft den eigenen Vorurteilen auf die Schliche zu kommen. Nehmen wir uns doch einfach die Türen, die für Dialoge und Freundschaft geöffnet werden, zum Vorbild.

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Über den Autor

Angela Gäde

Schriftstellerin, Verlegerin, Bloggerin, geboren in Dortmund, aufgewachsen im Ruhrgebiet. In ihrem Freundes- und Bekanntenkreis spiegelt sich die kulturelle Vielfalt dieser besonderen Region. Ebenso schleicht sich der Ruhrpott und seine Menschen, mit ihrem ganz eigenen Charme, immer mal in ihre Bücher. Durch einen Umzug aufs Land (und direkt in ein anderes Bundesland) hat sie nun die Chance, auch ein Blick von außerhalb auf das facettenreiche Ruhrgebiet zu werfen.

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