Reisewarnung Türkei!? Was euch dort wirklich erwartet

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Es war schwierig, sich als deutsche Staatsbürgerin mit türkischen Wurzeln  für einen Urlaub in der Türkei zu entscheiden. Ich habe es immer genossen an den Touristenort Antalya zu fliegen und dort meinen Urlaub zu verbringen, aber dieses Jahr war die Situation etwas anders. Schon 2017 wurden deutsche Staatsbürger am Flughafen in Antalya festgenommen, ohne einen Grund genannt zu bekommen. Dementsprechend hatte ich Sorgen – nicht, weil ich mir etwas hätte zu Schulden kommen lassen, doch die Panik war dennoch da. Die Unruhe ließ erst nach als ich die Passkontrolle in Antalya passiert hatte. Nun konnte mein langersehnter Urlaub beginnen. In den ersten Tagen wollte ich mich natürlich erstmal erholen und habe dementsprechend die Hotelanlage nicht verlassen und die Zeit am Strand verbracht. Wenn man sich so wie ich aus dem kalten Deutschland in das warme Antalya begibt, ist Sonne und Meer noch viel schöner und erholsamer als man es sich vorstellen kann.

Nach einigen Tagen in der Anlage waren die Gesichter nicht mehr fremd und auch der Kontakt zu den Angestellten wurde herzlicher. Am Anfang handelten unsere Gesprächsthemen noch von der Zufriedenheit im Hotel oder türkischen Fußballmannschaften und änderten sich im Laufe der Tage zu Arbeitsbedingungen /-rechte und die ökonomische Lage in den Touristenorten. Es war nicht zu übersehen, dass die Angestellten, aber auch die Textilwarenverkäufer in den Einkaufspassagen neben den Hotelanlagen, nicht zufrieden mit der derzeitigen Situation waren. Die meisten Läden waren leer bzw. geschlossen, da zu wenig Touristen vor Ort waren. Dennoch hatte ich bei jedem Gespräch das Gefühl, dass die Leute Angst hatten, etwas Falsches zu sagen. Als könnte ich vorhaben sie auszuspionieren. Man muss sich das so vorstellen: die Menschen kritisieren beispielsweise die politische Beziehung zwischen der Türkei und Deutschland und wie negativ diese Beziehung den Tourismus beeinflusst, doch dabei schaut man die ganze Zeit in seine Umgebung, um sicherstellen zu können, das keiner zuhört. Diese allumfassende Skepsis war so stark, dass selbst ich zunehmend ängstlicher durch die Blicke von Tischnachbarn wurde.

Auch war es nicht zu übersehen, dass die meisten Zimmer der Anlage leer waren. Wie ich später von verschiedenen Mitarbeitern erfuhr, lief es in den letzten zwei Jahren schon nicht mehr gut, sodass das Hotelmanagement beschlossen hat, die Anlage über den Winter zu schließen. Ich kann mir die Verluste für das Hotel, aber auch für die Angestellten nicht vorstellen.

Am sechsten Tag meines Urlaubes fuhr ich runter in die Stadt zum Einkaufen. Bei einem Wechselkurs von ungefähr 7,50 Türkischen Lira pro Euro hat das Shoppen natürlich noch mehr Spaß gemacht, aber auch nur für mich. Da die Türkei sehr viel importiert, waren vor allem bei Elektrogeräten die Preise umgerechnet natürlich sogar noch teurer als in Deutschland. Hier stellte ich mir dann die Frage: Wie sollen sich die Leute dies leisten können?

Genau hier hat man auch gemerkt, dass die Leute diese Situation bemängeln. Wenn Menschen für ein Smartphone mehr als einen Monatslohn oder für ein iPhone sogar mehrere Monatslöhne zahlen müssen, stimmt etwas nicht. So hat es mich noch mehr gestört, dass einige Menschen dies stillschweigend akzeptierten.

Was mich viel mehr verwirrt hatte, waren die Menschen, die komplett in ihrem alltäglichen Leben so vertieft waren, dass man keine Spur von einem Ausnahmezustand und einer Terrorbedrohung gespürt hat. Die Menschen schien es kaum zu interessieren, dass jeden Tag hunderte Menschen in ihrem Land festgenommen wurden. Nur einige, deren Verwandte oder Bekannte festgenommen wurden, konnten es nicht glauben, dass diese Menschen Terroristen sein sollten.

Ich kehrte zurück in mein Hotel und versuchte die letzten Tage meines Urlaubs und das schöne Wetter zu genießen. Ich habe für mich gelernt, dass Dinge manchmal nicht so sind bzw. zu sein scheinen, wie es von außen aussieht bzw. geschildert wird und man deswegen immer sich selbst ein Bild von der Situation verschaffen sollte.

Für denjenigen, der nichts Regierungskritisches sagt und sich konform verhält, gibt es selbst in einer Diktatur augenscheinlich keine Auffälligkeiten im Alltag. Man kann sich frei bewegen, seinen Geschäften nachgehen und die überall präsente Regierungspropaganda wahrnehmen. Sobald man aber sich dieser Konformität nicht beugt, und beispielsweise einen kritischen Kommentar in den sozialen Medien raushaut, braucht es nicht viel bis man hinter „türkischen Gardinen“ sitzt.

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