Hat man mit dem “falschen“ Nachnamen schlechtere Chancen auf einen Job?

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Bei einer Bewerbung zählen nicht allein die Noten oder der Abschluss, das lernt man bereits kurz nach der Schule. Allein die Schulform kann ausschlaggebend sein, ob die Bewerbung in die engere Wahl kommt oder nicht. So haben Gymnasiasten bessere Chancen, als andere Schüler, selbst wenn die Noten schlechter sind. Außer der Gymnasiast hat einen z. B. türkischen Nachnamen.

In einem sehr interessanten Artikel hier auf Ruhrblogger (“Achso, nee, die Wohnung ist schon weg“ von Anika Lemm) wurde darüber berichtet, wie schwierig es sein kann, eine Wohnung zu finden, wenn man nicht “Müller“ heißt. Ich möchte heute davon berichten, wie schwierig es ist, einen Job zu finden, wenn man nicht “Müller“ heißt.

Mein Freund ist Diplom Ingenieur und hat seinen Abschluss mit Bestnoten bestanden. 1 ½ Jahre hat er nach einer Stelle gesucht. Ich weiß, das ist im Vergleich zu anderen nicht lang, trotzdem gibt es einige Merkwürdigkeiten, die einen sauer machen können.
Welchen Grund kann es geben, jemand abzulehnen, wenn die geforderten Fähigkeiten und Kenntnisse mit denen, der sich beworbenen Person, zu 100 % übereinstimmen? Wie schon erwähnt, liegen dann auch noch Bestnoten vor und ziemlich brauchbare Erfahrungen durch Nebentätigkeiten. Trotzdem scheint es im gesamten Ruhrgebiet keinerlei Bedarf an Ingenieuren zu geben, oder nur nicht an welche mit einem türkischen Nachnamen?

Alles nur Spekulationen, die ich nicht beweisen kann. Das stimmt, diese Vermutung kann ich nicht beweisen, dafür etwas anderes. Name und Herkunft haben sehr wohl einen Einfluss auf die Bewerbung.
Nachdem mein Freund einige Absagen bekommen hatte, mit der Begründung, er würde nicht hundertprozentig auf die Stelle passen, bekam er zwei Einladungen zu Vorstellungsgesprächen.

Das erste Vorstellungsgespräch lief hervorragend. Das zweite Gespräch lief gar nicht hervorragend.
Er kam rein, stellte sich vor und dann warf die Personalchefin einen Blick in seine Unterlagen. Kritisch blickte sie ihn an und fragte dann, ob er wieder zurück wollen würde?
Mein Freund war einigermaßen irritiert und fragte, wohin zurück?
In die Türkei!

Jetzt war er noch irritierter. Er erklärte, dass er in Castrop geboren wurde und er die Türkei nur vom Urlaub kenne.
Darf man so eine Frage überhaupt stellen? Frauen darf man doch auch nicht mehr fragen, ob sie vorhaben, in nächster Zeit schwanger zu werden.

Noch nicht offensichtlich genug? Dann hätte ich da noch eine nette, kleine Geschichte. Ein Bekannter (ebenfalls türkischen Nachnamen tragend) hatte eine erste Kontaktaufnahme per Telefon mit einem Unternehmen. Das Gespräch lief richtig gut, bis zu …

Der nette Mann am anderen Ende der Leitung sagte, er bräuchte dann nur noch einmal den Namen und die Telefonnummer. Der Bekannte nannte seinen Namen, darauf kam ein “Wie bitte?“.
Der Bekannte buchstabierte seinen Namen, wurde aber unterbrochen.
“Das hat sich ja dann erledigt.“
Was hat sich erledigt? Der Bekannte passte leider doch nicht ins Profil.

Mir fehlten die Worte, als ich das gehört habe. Problem ist, das war ein Telefongespräch, Aussage gegen Aussage, der Bekannte hat nicht einmal die Möglichkeit eine Beschwerde einzulegen. Er kann es schon, aber würde das etwas bringen, ohne einen Beweis?
Wird nicht in den Nachrichten oft davon gesprochen, dass wir in Deutschland ein Fachkräftemangel haben?
Meinen die Leute damit wirklich zu wenig Fachkräfte in Deutschland? Oder meinen sie, es gibt zu wenig deutschstämmige Fachkräfte in Deutschland?

Wie schon in dem Artikel über die Schwierigkeiten der Wohnungssuche erwähnt wird, finde auch ich es unverständlich, dass ausgerechnet im Ruhrgebiet solch ein Rassismus herrscht. Das Ruhrgebiet lebt doch eigentlich von seiner kulturellen Vielfalt. Das ist es, was das Ruhrgebiet ausmacht, ihm seinen ganz eigenen Charme gibt. Anstatt das zu schätzen und zu pflegen, muss man sich mit so etwas rumschlagen, das ist mehr als schade und so überflüssig.

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Über den Autor

Angela Gäde

Schriftstellerin, Verlegerin, Bloggerin, geboren in Dortmund, aufgewachsen im Ruhrgebiet. In ihrem Freundes- und Bekanntenkreis spiegelt sich die kulturelle Vielfalt dieser besonderen Region. Ebenso schleicht sich der Ruhrpott und seine Menschen, mit ihrem ganz eigenen Charme, immer mal in ihre Bücher. Durch einen Umzug aufs Land (und direkt in ein anderes Bundesland) hat sie nun die Chance, auch ein Blick von außerhalb auf das facettenreiche Ruhrgebiet zu werfen.

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