Datenschutz von morgen – Eine Zukunft ohne Privatsphäre?

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Ohne jegliche Hemmungen füllen wir irgendwelche Formulare auf sozialen Netzwerken aus oder geben in Suchmaschinen Wörter ein. Jedoch denken wir nicht darüber nach, dass diese Eingaben eigentlich nicht jeder wissen sollte. Die letzten zehn Jahre der Technologie haben uns gelehrt, dass Informationen das Wertvollste sind was wir besitzen. Firmen wie Google oder Facebook verdienen Unmengen an Geld mit Ihren Informationen – es ist deren Kerngeschäft.

Im Jahre 2000 wurden insgesamt 100 Milliarden Fotos geschossen, wobei nur ein Bruchteil hochgeladen wurde. Im Jahre 2010 wurden in einem Monat – Achtung! Nur auf Facebook – rund 2,5 Milliarden mit Namen beschriftete Fotos hochgeladen.

Heute haben normale Menschen dank Cloud-Computing, Rechenkapazität zur Verfügung, die vor Jahren nur Behörden mit 3 Buchstaben hatten. Jedem User sollte bewusst sein, dass durch Kombination von Informationen oder Schlussfolgern, öffentlich erreichbare Informationen, plötzlich hochsensible private Informationen werden können. Plötzlich können wir nach Menschen suchen von denen wir nur ein Bild oder den Nachnamen haben. Gesichtserkennung, Sprachanalyse, Mimikdeutung oder Stilometrie ist nicht mehr Sci-Fi sondern Realität. Jeder kennt doch die Geschichte von Freund eines Freundes, der gefeuert wurde, weil er irgendwas negatives über den Arbeitgeber schrieb. Bewerber werden, obwohl sie die gleichen Qualifizierungen haben, abgelehnt, aufgrund einer Analyse ihres Profils auf sozialen Netzwerken.

„Ich hab doch nicht’s zu verbergen“-Typen
Manche bestehen auf die oben genannte Aussage, aber Privatsphäre heißt nicht nur Negatives zu verbergen. Große Firmen sammeln Informationen um eventuell Ihr Kaufverhalten zu beeinflussen, personalisierte Werbung zu schalten oder genauere, Ihnen zugeschnittene Vorschläge zu senden. In einer Studie wurde bemerkt, dass eine digitale Gesichtskomposition von Ihren „besten Freunden“ eine positive Reaktion von Ihnen hervorruft. Denken Sie immer noch, dass die Gesichter in der Werbung zufällig sind?

Menschen die äußern, dass Datenschutz ihnen egal ist, sollten überlegen, ob sie nicht bewusst so manipuliert worden sind um so zu denken.

Klingt alles Finster
Sollte es auch. Doch irgendwie muss man dagegen etwas tun. Aktuelle Datenschutzmechanismen sind genauso effektiv wie ein Messer in einer Schießerei. Es gibt mittlerweile Technologien, womit man anonym surfen kann oder E-Mails so verschlüsseln kann, dass nur der bestimmte Empfänger sie lesen kann. Man kann also die Vorteile von „big-data“ nutzen und dabei die Privatsphäre schützen. Das TOR-Projekt oder die PGP-Verschlüsselung wurden mittlerweile so gestaltet, dass es nicht mehr nervig und zeitraubend ist, diese zu benutzen – und etliche Funktionen die schon in den alltäglichen Programmen vorhanden sind, sorgen für eine geregelte und kontrollierte Freigabe von Informationen. Nur diese kennt oder benutzen nicht Viele.

Die Frage ist eigentlich, ob wir die uns zur Verfügung gestellte Technologie bewusst benutzen oder die Technologie uns bewusst zur Verfügung gestellt worden ist?
Es gibt einen britische Schriftsteller Aldous Huxley, der eine Zukunft vorhergesehen hat, in der wir Freiheit und Selbständigkeit gegen Bequemlichkeit tauschen. In „Schöne neue Welt“ beschreibt er eine Gesellschaft, in der Technologien, die ursprünglich unserer Freiheit dienten, uns schließlich unterdrücken oder abhängig machen. Und genau da sollte unser Verantwortungsbewusstsein beginnen.

Bevor ich es vergesse! Haben Sie schon eine Google Glass gekauft?

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Über den Autor

Eyüp Alikilic

Geboren,aufgewachsen und leben tut er in Mülheim/Ruhr. Studiert momentan Informatik und interessiert sich für (soziale) Medien, Musik und natürlich Technologie. Versucht immer aktuell in Sachen IT-Sicherheit zu bleiben.

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